Wer im Herbst nach einem Testsieger fürs Immunsystem sucht, möchte meist eine schnelle Antwort: Welches Präparat ist das beste? Die ehrliche Antwort ist unbequemer, aber hilfreicher. Einen aktuellen, unabhängigen Testsieger für „das Immunsystem“ haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Es gibt aber klare Kriterien, mit denen Sie Präparate selbst vergleichen können.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche Nährstoffe nach EU-Recht nachweislich zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen, woran Sie ein seriöses Präparat erkennen und wann ärztlicher Rat wichtiger ist als jede Packung aus dem Regal. Einen ausführlichen Überblick über die einzelnen Nährstoffe gibt unser Ratgeber Vitamine fürs Immunsystem.
Das Wichtigste in Kürze
- Einen aktuellen, unabhängigen Testsieger für Immunpräparate haben wir nicht gefunden (Stand Oktober 2026).
- Zehn Vitamine und Mineralstoffe dürfen in der EU mit der Angabe beworben werden, dass sie zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen.
- Für den Vergleich zählen die Menge pro Tagesportion, Zucker und Zusatzstoffe, Herkunft, Preis pro Tag und die Darreichungsform.
- Mehr ist nicht besser: Für viele Nährstoffe empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Höchstmengen pro Tag.
- Die Grundlage bleiben Ernährung, Schlaf, Bewegung und Erholung. Ein Präparat kann die Ernährung ergänzen, aber nicht ersetzen.
Gibt es einen unabhängigen Testsieger?
Das Wort „Testsieger“ klingt nach einem neutralen Urteil. Fachlich setzt es aber einen echten Test voraus: mit nachvollziehbarer Methode, einheitlichen Kriterien und oft auch Laboranalysen. Viele Seiten, die mit diesem Begriff werben, erfüllen das nicht.
Was Stiftung Warentest und Verbraucherzentralen geprüft haben
Einen aktuellen Test von Stiftung Warentest oder Öko-Test, der ein Präparat als Testsieger für das Immunsystem auszeichnet, haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden (Stand Oktober 2026). Wenn Sie auf einen solchen Test verwiesen werden, lohnt sich ein Blick auf Datum, Umfang und Kriterien.
Die vorhandenen Untersuchungen fallen eher kritisch aus. Stiftung Warentest hat im März 2025 18 Nahrungsergänzungsmittel für Kinder geprüft. Das Ergebnis: 17 von 18 Produkten hatten Mängel, und alle bewerteten die Prüfer als überflüssig. Häufig lagen die enthaltenen Mengen über den empfohlenen Werten.
Die Verbraucherzentrale NRW hat in einem Marktcheck 19 Immunprodukte untersucht, darunter Heißgetränke, Pulver zum direkten Einnehmen, Säfte und Shots. Einzelne Produkte enthielten bis zu 14 Gramm Zucker pro Portion. Die Verbraucherschützer weisen außerdem darauf hin, dass pauschale Versprechen, ein Produkt mache die Abwehr stärker, nicht zulässig sind und ein „Booster“-Effekt nicht zu erwarten ist.
Vergleichsportale richtig lesen
Viele Seiten mit Titeln wie „Die 10 besten Immunpräparate“ sind Vergleichsportale, die an Verkäufen über Partnerlinks verdienen. Das ist legitim, aber kein Test. Achten Sie auf diese Punkte:
- Wurden die Produkte tatsächlich gekauft und im Labor geprüft, oder wurden nur Packungsangaben abgeschrieben?
- Sind die Kriterien und ihre Gewichtung offengelegt?
- Wann wurde verglichen? Rezepturen und Preise ändern sich.
- Sind Kauflinks als Werbung gekennzeichnet?
- Wird mit Wirkversprechen gearbeitet, die über die zugelassenen Angaben hinausgehen?
Bleiben mehrere dieser Fragen offen, ist der „Testsieger“ eher eine Kaufempfehlung als ein Prüfergebnis.
Welche Nährstoffe nachweislich zum Immunsystem beitragen
In der EU dürfen Lebensmittel, also auch Nahrungsergänzungsmittel, nur mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden, die wissenschaftlich geprüft und zugelassen sind. Grundlage ist die Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Für das Immunsystem sind dort zehn Nährstoffe gelistet, jeweils mit dem Wortlaut „… trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“:
- Vitamin A
- Vitamin B6
- Vitamin B12
- Vitamin C
- Vitamin D
- Folat
- Eisen
- Kupfer
- Selen
- Zink
Wichtig ist das Wort „normal“. Die Angaben bedeuten, dass der Körper diese Nährstoffe für eine normale Funktion des Immunsystems braucht. Sie bedeuten nicht, dass eine größere Menge die Abwehr über das normale Maß hinaus steigert. Nach Einschätzung des BfR sind von einer zusätzlichen Aufnahme über den Bedarf hinaus keine positiven gesundheitlichen Wirkungen zu erwarten.
Die Angabe darf außerdem nur verwendet werden, wenn ein Produkt eine „signifikante Menge“ des Nährstoffs enthält. In der Regel sind das mindestens 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts (NRV). Was die einzelnen Nährstoffe leisten und in welchen Lebensmitteln sie stecken, lesen Sie im Ratgeber Vitamine und Mineralstoffe fürs Immunsystem.
Aus unserem Shop: Colostrum Kautabletten
Unsere Colostrum Kautabletten aus der Schweiz enthalten neben Colostrum unter anderem Selen, Vitamin B6, Vitamin B12 und Folat.
- Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin B6 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Folat trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Verzehrempfehlung: täglich 1–2 Kautabletten zerkauen. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Enthält Milch und Soja – nicht geeignet bei Milcheiweiß- oder Sojaallergie.
Weitere Informationen: Hinweise zu Nahrungsergänzungsmitteln
Checkliste: So vergleichen Sie Präparate
Mit den folgenden fünf Punkten können Sie fast jedes Präparat in wenigen Minuten einordnen. Sie brauchen dafür nur die Packung oder die Produktseite.
1. Menge und % NRV pro Tagesportion
Schauen Sie in die Nährwerttabelle. Seriöse Anbieter nennen die Menge pro empfohlener Tagesportion und den Anteil am Nährstoffbezugswert (% NRV). Die Angabe pro Tablette allein reicht nicht, wenn zwei oder drei Tabletten täglich empfohlen werden.
Zwei Fragen helfen: Erreicht der Nährstoff mindestens 15 % NRV, damit die beworbene Angabe überhaupt zulässig ist? Und liegt die Tagesmenge unter den Höchstmengen, die das BfR für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt? Für Selen sind das zum Beispiel 40 Mikrogramm, für Zink 6,5 Milligramm und für Vitamin D 20 Mikrogramm pro Tag. Sehr hohe Prozentwerte wie 500 % NRV sind kein Qualitätsmerkmal.
2. Zusatzstoffe und Zucker
Lesen Sie die Zutatenliste. Die Zutaten stehen nach Menge geordnet: Was vorne steht, macht den größten Anteil aus. Zucker versteckt sich unter vielen Namen, etwa Glukosesirup, Fruktose, Dextrose oder Maltodextrin. Bei Pulvern, Gummis, Shots und Kautabletten ist Zucker oft ein Hauptbestandteil. Nährwertangaben zu Zucker sind bei Nahrungsergänzungsmitteln übrigens nicht vorgeschrieben.
Das gilt auch für unser eigenes Produkt: In unseren Colostrum Kautabletten steht Dextrose (Traubenzucker) an erster Stelle der Zutatenliste. Wenn Sie auf Zucker achten, rechnen Sie das bei jeder Kau- oder Brausetablette mit ein. Süßstoffe wie Sucralose oder Aspartam sind kein Ausschlusskriterium, aber ebenfalls ein Grund, genau hinzusehen.
3. Herkunft und Herstellung
Ein seriöser Anbieter nennt Hersteller oder Vertreiber mit vollständiger Anschrift, eine Chargennummer und ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Angaben wie „laborgeprüft“ oder „Made in …“ sind nur dann aussagekräftig, wenn erklärt wird, was genau geprüft oder wo genau hergestellt wird.
Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und keine Arzneimittel. Sie werden vor dem Verkauf nicht wie Arzneimittel auf ihre Wirksamkeit geprüft. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) rät deshalb gerade beim Kauf im Internet zur Vorsicht und zu einer kritischen Prüfung, wenn die Kennzeichnung nicht auf Deutsch vorliegt oder ein Produkt als „Wundermittel“ beworben wird.
4. Preis pro Tag
Der Packungspreis sagt wenig. Rechnen Sie den Preis pro Tagesportion aus: Packungspreis geteilt durch die Zahl der Tage, die eine Packung bei der empfohlenen Menge reicht. Ein Rechenbeispiel: Eine Packung mit 60 Kapseln kostet 18 Euro, empfohlen sind zwei Kapseln täglich. Die Packung reicht 30 Tage, der Tagespreis liegt bei 60 Cent.
Vergleichen Sie danach, was Sie für diesen Preis bekommen: welche Nährstoffe in welcher Menge und welche weiteren Zutaten. Ein höherer Preis kann durch Herstellung, Rohstoffe oder Darreichungsform begründet sein. Ein Beleg für eine bessere Wirkung ist er nicht.
5. Darreichungsform
Kapseln, Tabletten, Brausetabletten, Pulver, Säfte, Gummis oder Kautabletten: Die Form entscheidet vor allem darüber, wie gut ein Präparat in Ihren Alltag passt. Wer ungern Kapseln schluckt, greift eher zu Pulver oder Kautabletten. Wer viel unterwegs ist, schätzt eine Form, die ohne Wasser auskommt. Für die zugelassenen Angaben zählt dagegen die enthaltene Menge, nicht die Form. Einen Vergleich speziell für Colostrum finden Sie im Beitrag Colostrum Kapseln, Pulver oder Kautabletten?
Monopräparat oder Kombination?
Ein Monopräparat enthält einen einzelnen Nährstoff, ein Kombipräparat mehrere. Beides hat seine Berechtigung:
- Monopräparat: sinnvoll, wenn ein konkreter Bedarf bekannt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält zum Beispiel bei veganer Ernährung ein Vitamin-B12-Präparat für notwendig. Bei Vitamin D hängt der Bedarf stark davon ab, wie viel Sonnenlicht Ihre Haut bekommt.
- Kombipräparat: praktisch, wenn Sie mehrere Nährstoffe in moderaten Mengen ergänzen möchten. Prüfen Sie hier besonders genau, ob Sie einzelne Nährstoffe doppelt aufnehmen, etwa über ein zweites Präparat oder über angereicherte Lebensmittel.
Grundsätzlich gilt: Wer sich abwechslungsreich ernährt, ist mit den meisten Vitaminen und Mineralstoffen gut versorgt. Das BfR nennt als Faustregel, dass eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung den gesunden Körper ausreichend mit lebensnotwendigen Stoffen versorgt. Nur bei wenigen Nährstoffen wie Vitamin D, Folsäure, Calcium und Jod erreichen manche Bevölkerungsgruppen die Zufuhrempfehlungen nicht.
„Immun-Booster“ und Probiotika: Was ist belegt – und was nicht?
Rund um das Immunsystem kursieren viele Begriffe, die mehr versprechen, als sie halten können. Ein kurzer Überblick:
„Immun-Booster“
„Booster“ ist ein Werbebegriff, kein Fachbegriff. Er soll nahelegen, dass sich die Abwehr über das normale Maß hinaus steigern lässt. Seriöse Anbieter verzichten auf solche Begriffe.
Probiotika und Pflanzenstoffe
Für Probiotika, also lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien, ist in der EU bisher keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Für pflanzliche Stoffe wie Echinacea, Holunder oder Sanddorn ist die Bewertung der beantragten Angaben auf EU-Ebene seit Jahren ausgesetzt; eine zugelassene Angabe zum Immunsystem gibt es auch hier nicht. Das heißt nicht, dass diese Produkte schaden. Es heißt aber, dass Werbeversprechen zum Immunsystem bei ihnen nicht belegt sind.
Wann ärztlicher Rat wichtiger ist als ein Präparat
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Arzneimittel. Es ersetzt weder eine Diagnose noch eine Behandlung. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn
- Sie auffällig oft krank sind oder Beschwerden über Wochen nicht abklingen,
- Sie sich anhaltend erschöpft fühlen, ohne den Grund zu kennen,
- Sie eine Vorerkrankung haben oder regelmäßig Medikamente einnehmen,
- Sie schwanger sind, eine Schwangerschaft planen oder stillen,
- Sie einen Nährstoffmangel vermuten. Ob er vorliegt, lässt sich oft mit einer Blutuntersuchung klären.
Gerade bei Vitamin D, Eisen und Vitamin B12 ist es sinnvoll, den Bedarf ärztlich abklären zu lassen, bevor Sie über längere Zeit größere Mengen einnehmen. Das BfR empfiehlt zum Beispiel, dass Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Schwangere Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache ergänzen.
Häufige Fragen
Welches Mittel ist das beste fürs Immunsystem?
Ein einzelnes bestes Mittel gibt es nicht. Die Grundlage sind eine abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Erholung. Wenn Sie ergänzen möchten, achten Sie auf Nährstoffe mit zugelassener Angabe zum Immunsystem, auf moderate Mengen und auf die Höchstmengenempfehlungen des BfR.
Hat Stiftung Warentest Immunpräparate getestet?
Einen aktuellen Test, der ein Immunpräparat als Testsieger auszeichnet, haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden (Stand Oktober 2026). Stiftung Warentest hat im März 2025 Nahrungsergänzungsmittel für Kinder geprüft und 17 von 18 Produkten mit Mängeln bewertet. Prüfen Sie bei jedem Verweis auf einen Test, von wem er stammt und wann er erschienen ist.
Was ist ein Immun-Booster?
„Immun-Booster“ ist ein Werbebegriff ohne feste Definition. Er soll den Eindruck erwecken, ein Produkt steigere die Abwehr über das normale Maß hinaus. Zulässig sind nur Angaben wie „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“.
Wie lange sollte man ein Präparat einnehmen?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Halten Sie sich an die Verzehrempfehlung auf der Packung und überschreiten Sie die Tagesmenge nicht. Nehmen Sie ein Präparat wegen eines bestimmten Bedarfs, etwa Vitamin D in den dunklen Monaten, besprechen Sie Dauer und Menge am besten ärztlich. Fragen Sie sich nach einigen Wochen auch, ob der Grund für die Einnahme noch besteht.
Kann man Vitamine überdosieren?
Ja. Vor allem die fettlöslichen Vitamine A und D, aber auch Vitamin B6, Selen und Zink können in zu großen Mengen schaden. Das BfR hat deshalb Höchstmengen pro Tagesportion für Nahrungsergänzungsmittel vorgeschlagen, zum Beispiel 0,9 Milligramm Vitamin B6 und 40 Mikrogramm Selen. Zählen Sie dabei alle Quellen zusammen, also mehrere Präparate und angereicherte Lebensmittel.
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Redaktion VITALARO · Stand: Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln. Stellungnahme 006/2024 vom 22. Februar 2024. bfr.bund.de (PDF)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Höchstmengenempfehlungen des BfR für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln (tabellarische Übersicht). bfr.bund.de (PDF)
- Verbraucherzentrale: Die Abwehrkräfte stärken – mit einer Extraportion Zucker? verbraucherzentrale.de
- Stiftung Warentest: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder – Die braucht kein Kind. Pressemitteilung vom 26. März 2025. test.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Vitamin B12. dge.de
- Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): Nahrungsergänzungsmittel. ages.at

