Wenn die Tage kürzer werden, nehmen sich viele Menschen vor, ihr Immunsystem aufzubauen, oft mit einer „Immunkur“ über einige Wochen. Der Gedanke dahinter ist richtig: Das Immunsystem ist auf gute Bedingungen angewiesen, und diese Bedingungen lassen sich im Alltag gezielt verbessern. Eine Kur ist aber kein Schalter, den man umlegt, und sie ersetzt keine ärztliche Abklärung.
In diesem Artikel lesen Sie, was „aufbauen“ realistisch bedeutet, welche Bausteine in eine Immunkur gehören, wie lange sie dauern kann und wo ihre Grenzen liegen. Einen Überblick über alle Faktoren, die für die Abwehr eine Rolle spielen, gibt unser Ratgeber Immunsystem stärken: 7 Faktoren, die im Alltag wirklich zählen.
Was heißt „Immunsystem aufbauen“?
Das Immunsystem ist kein Muskel, den man Woche für Woche größer trainiert. Es ist ein Netzwerk aus Organen, Zellen und Botenstoffen, das körperfremde Stoffe und Krankheitserreger erkennt und abwehrt. Ein Teil davon ist angeboren und reagiert schnell und unspezifisch. Ein anderer Teil entwickelt sich im Laufe des Lebens und lernt, bestimmte Erreger gezielt zu erkennen.
„Aufbauen“ heißt deshalb vor allem: dem Immunsystem die Voraussetzungen geben, die es für seine normale Funktion braucht. Dazu gehören genug Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung und Phasen der Erholung. Wer diese Grundlagen über einige Wochen verbessert, schafft gute Bedingungen. Ein Versprechen, die Abwehr über das normale Maß hinaus zu steigern, kann dagegen niemand seriös geben.
Die Basis: Ernährung, Schlaf, Bewegung, Stress
Diese vier Bereiche sind der Kern jeder Immunkur. Sie hängen eng zusammen: Wer schlecht schläft, isst oft unregelmäßiger, bewegt sich weniger und fühlt sich schneller gestresst.
Ernährung
Kein einzelnes Lebensmittel liefert alle Nährstoffe, die das Immunsystem braucht. Entscheidend ist die Vielfalt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen unter anderem:
- mindestens 5 Portionen Gemüse und Obst pro Tag,
- Vollkorn statt Weißmehl bei Brot, Nudeln und Reis,
- mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte und täglich eine kleine Handvoll Nüsse,
- ein- bis zweimal pro Woche Fisch,
- nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche,
- rund 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag.
Für eine Immunkur heißt das praktisch: Planen Sie zu jeder Hauptmahlzeit eine Portion Gemüse ein, ersetzen Sie Weißmehlprodukte schrittweise durch Vollkorn und kochen Sie ein- bis zweimal pro Woche mit Linsen, Bohnen oder Kichererbsen. Eine Handvoll Nüsse eignet sich gut als Snack für zwischendurch.
Schlaf
Schlaf und Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig. Eine Übersichtsarbeit von Besedovsky und Kollegen aus dem Jahr 2019 beschreibt, dass Schlaf sowohl die angeborene als auch die erworbene Abwehr beeinflusst. Anhaltender Schlafmangel kann dagegen mit einer dauerhaft leicht erhöhten Entzündungsaktivität im Körper einhergehen.
Wie viel Schlaf Sie brauchen, ist individuell. Die US-amerikanische National Sleep Foundation hält für Erwachsene 7 bis 9 Stunden pro Nacht für angemessen, für ältere Erwachsene 7 bis 8 Stunden. Hilfreich sind feste Zeiten zum Aufstehen und Zubettgehen, auch am Wochenende, ein abgedunkeltes und eher kühles Schlafzimmer und eine Bildschirmpause vor dem Einschlafen.
Bewegung
Körperliche Aktivität und Immunsystem hängen eng zusammen. Das zeigt eine Übersichtsarbeit von Nieman und Wentz (2019), die mehrere Jahrzehnte Forschung zusammenfasst. Sie beschreibt auch, dass sehr intensive und lange Belastungen vorübergehend mit Veränderungen im Immunsystem einhergehen können. Für den Alltag bedeutet das: Regelmäßigkeit ist wichtiger als Höchstleistung, und nach harten Einheiten braucht der Körper Erholung.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität pro Woche, etwa zügiges Gehen oder Radfahren, dazu Übungen zur Kräftigung der Muskeln. Für eine Immunkur ist das ein guter Rahmen, zum Beispiel fünfmal pro Woche 30 Minuten an der frischen Luft.
Stressabbau
Kurzfristiger Stress gehört zum Leben. Problematisch wird er, wenn er über Wochen und Monate anhält. Eine Meta-Analyse von Segerstrom und Miller (2004), die mehr als 300 Studien auswertete, fand: Kurze, akute Belastungen gingen mit einer Aktivierung einzelner Abwehrfunktionen einher, chronischer Stress dagegen mit einer Unterdrückung verschiedener Immunparameter.
Für Ihre Immunkur heißt das: Planen Sie Erholung genauso fest ein wie Termine. Kurze Pausen im Tagesverlauf, ein Spaziergang ohne Handy, ruhige Atemübungen oder ein fester Feierabend können helfen, Anspannung abzubauen.
Zwei weitere Punkte gehören dazu, auch wenn sie unbequem sind: Das österreichische Gesundheitsportal nennt Nichtrauchen und einen zurückhaltenden Umgang mit Alkohol ausdrücklich als Lebensstilfaktoren, die das Immunsystem beeinflussen. Eine Kur ist ein guter Anlass, beides ehrlich zu überprüfen.
Was ist eine Immunkur?
„Immunkur“ ist kein geschützter oder medizinisch definierter Begriff. Gemeint ist meist ein Zeitraum von einigen Wochen, in dem Sie Ihre Gewohnheiten bewusst auf die Bedürfnisse des Immunsystems ausrichten. Manche ergänzen dabei Nährstoffe mit einem Nahrungsergänzungsmittel. Das ist möglich, aber nicht der Kern einer Kur.
Dauer: vier bis zwölf Wochen
Eine wissenschaftlich festgelegte Dauer gibt es nicht. Vier bis zwölf Wochen sind ein praxistauglicher Rahmen. Der Grund liegt weniger im Immunsystem selbst als im Alltag: Neue Gewohnheiten brauchen Zeit, bis sie ohne große Willenskraft funktionieren. Ein Zeitraum von mehreren Wochen gibt Ihnen Gelegenheit, Neues auszuprobieren und das beizubehalten, was zu Ihnen passt.
Bausteine
- ein fester Schlafrhythmus,
- Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse als feste Bestandteile des Speiseplans,
- tägliche Bewegung, möglichst bei Tageslicht,
- feste Erholungszeiten und weniger Dauerstress,
- Verzicht auf Rauchen und wenig Alkohol,
- optional ein Nahrungsergänzungsmittel mit Nährstoffen, für die eine zugelassene Angabe zum Immunsystem besteht, in moderater Menge.
Wann eine Kur sinnvoll sein kann, zum Beispiel vor dem Winter
Viele beginnen eine Immunkur im Herbst, vor den dunklen Monaten. Das ist ein guter Zeitpunkt, um Routinen zu festigen, bevor Kälte und Dunkelheit Bewegung im Freien schwieriger machen. Außerdem bildet die Haut Vitamin D vor allem unter Sonnenlicht; im Herbst und Winter ist die Versorgung darüber schwieriger.
Eine Kur kann auch nach einer anstrengenden Lebensphase sinnvoll sein, etwa nach einem stressigen Projekt, einem Umzug oder einer Zeit mit wenig Schlaf. Sie dient dann als bewusster Neustart der Alltagsroutinen, nicht als Behandlung.
Nährstoffe mit zugelassenen Angaben
Wenn Sie Ihre Kur mit Nährstoffen ergänzen möchten, lohnt der Blick ins EU-Recht. Die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 nennt zehn Nährstoffe, die zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen: Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin C, Vitamin D, Folat, Eisen, Kupfer, Selen und Zink.
Die meisten davon nehmen Sie mit einer abwechslungsreichen Ernährung ausreichend auf. Ein Präparat ist vor allem dann eine Überlegung wert, wenn Ihre Ernährung einseitig ist, wenn Sie sich vegan ernähren oder wenn Sie wenig Sonnenlicht abbekommen. Welche Lebensmittel welche Nährstoffe liefern und welche Höchstmengen gelten, erklärt unser Ratgeber Vitamine fürs Immunsystem.
Wichtig: Mehr ist nicht besser. Halten Sie sich an die Verzehrempfehlung und zählen Sie alle Präparate und angereicherten Lebensmittel zusammen.
Aus unserem Shop: Colostrum Kautabletten
Unsere Colostrum Kautabletten aus der Schweiz enthalten neben Colostrum unter anderem Selen, Vitamin B6, Vitamin B12 und Folat.
- Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin B6 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Folat trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Eine Packung enthält 45 Kautabletten. Das reicht bei einer Kautablette täglich 45 Tage, bei zwei Kautabletten täglich 22 Tage. Für längere Zeiträume gibt es Mehrfachpackungen mit zwei oder drei Packungen.
Verzehrempfehlung: täglich 1–2 Kautabletten zerkauen. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Enthält Milch und Soja – nicht geeignet bei Milcheiweiß- oder Sojaallergie.
Weitere Informationen: Hinweise zu Nahrungsergänzungsmitteln
Beispielplan für 8 Wochen
Der folgende Plan zeigt, wie Sie die Bausteine Schritt für Schritt einführen können. Er ist ein Vorschlag, kein festes Programm. Passen Sie ihn an Ihren Alltag an.
| Zeitraum | Schwerpunkt | Konkrete Schritte |
|---|---|---|
| Woche 1–2 | Schlaf | Feste Zeiten zum Aufstehen und Zubettgehen, Bildschirmpause 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafen, Schlafzimmer abdunkeln |
| Woche 3–4 | Ernährung | Gemüse zu jeder Hauptmahlzeit, Vollkorn statt Weißmehl, zweimal pro Woche Hülsenfrüchte, täglich eine Handvoll Nüsse |
| Woche 5–6 | Bewegung | Fünfmal pro Woche 30 Minuten zügig gehen oder Rad fahren, zweimal pro Woche Kräftigungsübungen |
| Woche 7–8 | Erholung | Feste Pausen im Kalender, ein bildschirmfreier Abend pro Woche, Bilanz ziehen: Was behalte ich bei? |
Die Schwerpunkte bauen aufeinander auf: Was Sie in Woche 1 begonnen haben, führen Sie weiter. Am Ende der acht Wochen haben Sie vier Bereiche Ihres Alltags verändert, ohne alles auf einmal umstellen zu müssen.
Grenzen: Wann zum Arzt?
Eine Immunkur ist eine Maßnahme für den Lebensstil. Sie behandelt keine Erkrankung und ersetzt keine Untersuchung. Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn
- Sie auffällig oft krank sind oder sich Beschwerden über Wochen nicht bessern,
- Sie sich trotz ausreichend Schlaf dauerhaft erschöpft fühlen,
- Sie ungewollt an Gewicht verlieren,
- Sie eine Vorerkrankung haben oder Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinflussen,
- Sie schwanger sind oder stillen und Nahrungsergänzungsmittel nehmen möchten.
Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann klären, ob ein Nährstoffmangel oder eine andere Ursache dahintersteckt, und bei dieser Gelegenheit auch Ihren Impfstatus prüfen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, das Immunsystem aufzubauen?
Eine feste Dauer gibt es nicht, weil das Immunsystem nicht wie ein Muskel aufgebaut wird. Realistisch ist, Ihre Gewohnheiten über mehrere Wochen zu verbessern. Vier bis zwölf Wochen sind ein praktischer Rahmen, um neue Routinen für Schlaf, Ernährung, Bewegung und Erholung zu festigen.
Ist eine Immunkur sinnvoll?
Als bewusster Zeitraum, in dem Sie Schlaf, Ernährung, Bewegung und Stress in den Blick nehmen, ja. Der Zusammenhang dieser Faktoren mit dem Immunsystem ist gut untersucht. Eine Kur, die nur aus einem Präparat besteht, greift dagegen zu kurz. Nahrungsergänzungsmittel können die Ernährung ergänzen, aber nicht ersetzen.
Was gehört in eine Immunkur?
Feste Schlafzeiten, eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchten, regelmäßige Bewegung, bewusste Erholung sowie Nichtrauchen und wenig Alkohol. Wer ergänzen möchte, wählt Nährstoffe mit zugelassener Angabe zum Immunsystem in moderater Menge.
Kann man das Immunsystem in einer Woche aufbauen?
Nein. In einer Woche können Sie gute Gewohnheiten beginnen, etwa einen festen Schlafrhythmus. Damit sie sich festigen, brauchen sie aber mehrere Wochen. Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die „starke Abwehrkräfte in sieben Tagen“ versprechen. Solche Versprechen sind nicht belegt.
Immunkur für Erwachsene – worauf achten?
Passen Sie die Kur an Ihren Alltag an, nicht umgekehrt. Starten Sie mit einem Bereich statt mit allen gleichzeitig. Wenn Sie Medikamente nehmen, eine Vorerkrankung haben oder schwanger sind, sprechen Sie vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Worauf es mit zunehmendem Alter ankommt, lesen Sie im Beitrag Immunsystem stärken als Erwachsener.
Weiterlesen
- Stress, Schlaf und Immunsystem: Warum Erholung zählt
- Hausmittel fürs Immunsystem: Was hilft, was ist Mythos?
Redaktion VITALARO · Stand: Oktober 2026
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Besedovsky L, Lange T, Haack M: The Sleep-Immune Crosstalk in Health and Disease. Physiological Reviews 2019; 99(3): 1325–1380. PubMed
- Hirshkowitz M et al.: National Sleep Foundation’s sleep time duration recommendations: methodology and results summary. Sleep Health 2015; 1(1): 40–43. PubMed
- Nieman DC, Wentz LM: The compelling link between physical activity and the body’s defense system. Journal of Sport and Health Science 2019; 8(3): 201–217. PubMed
- Segerstrom SC, Miller GE: Psychological stress and the human immune system: a meta-analytic study of 30 years of inquiry. Psychological Bulletin 2004; 130(4): 601–630. PubMed
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Physical activity. Faktenblatt vom 26. Juni 2024. who.int
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen. dge.de
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Ernährung für das Immunsystem. gesundheit.gv.at
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex