Redaktion VITALARO · Stand: Oktober 2026
Biestmilch, Erstmilch, Kolostrum, Colostrum: Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt auf viele Namen. Gemeint ist im Kern dasselbe – die erste Milch, die Säugetiere nach der Geburt bilden. Die Begriffe unterscheiden sich vor allem darin, wer sie benutzt: Hebammen, Landwirtinnen und Landwirte, das Lebensmittelrecht oder Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln.
Hier ordnen wir die Begriffe ein, erklären, wie sich das Kolostrum beim Menschen von der Biestmilch der Kuh unterscheidet, und zeigen, wie aus Biestmilch ein Pulver für Nahrungsergänzungsmittel wird. Einen Gesamtüberblick über Inhaltsstoffe, Formen und Qualität finden Sie in unserem Ratgeber Was ist Colostrum?
Ein Stoff, viele Namen
Die folgende Übersicht zeigt, welcher Begriff wo üblich ist:
| Begriff | Bedeutung und Herkunft | Wo man ihn liest |
|---|---|---|
| Kolostrum | Fachbegriff, von lateinisch „colostrum“ | Medizin, Geburtshilfe, Tiermedizin, EU-Lebensmittelrecht |
| Colostrum | lateinische, international übliche Schreibweise | Nahrungsergänzungsmittel, Studien, Handel |
| Biestmilch, Biest | alter deutscher Name für die erste Milch der Kuh nach dem Kalben | Landwirtschaft; in der Schweiz auch „Brieschmilch“ |
| Erstmilch | allgemeinsprachlich, für Mensch und Tier | Ratgeber, Alltagssprache |
| Vormilch | vor allem für die erste Muttermilch | Schwangerschaft und Stillzeit |
| Rinder-Colostrum, bovines Colostrum | „bovin“ bedeutet „vom Rind“ | Zutatenlisten, Fachliteratur |
„Kolostrum“ und „Colostrum“ sind also zwei Schreibweisen desselben Wortes. Im Deutschen ist die Form mit K üblich, im Handel hat sich die lateinische mit C durchgesetzt. „Biestmilch“ meint dagegen fast immer die erste Milch von Kühen.
Auch das EU-Lebensmittelrecht kennt den Begriff. Es definiert Kolostrum als „das bis zu 3 bis 5 Tagen nach einer Geburt aus den Milchdrüsen milchgebender Tiere abgesonderte Sekret, das reich an Antikörpern und Mineralstoffen ist und der Erzeugung von Rohmilch vorausgeht“. Rechtlich ist Kolostrum damit keine Rohmilch, es unterliegt aber eigenen Hygienevorschriften.
Kolostrum beim Menschen: die erste Muttermilch
Beim Menschen bildet die Brust das Kolostrum bereits ab etwa der 16. Schwangerschaftswoche. Nach der Geburt steht es dem Neugeborenen in kleinen Mengen zur Verfügung. Es ist dickflüssiger als die spätere reife Muttermilch, meist goldgelb und besonders eiweißreich. Unter den Antikörpern überwiegt das sekretorische Immunglobulin A (sIgA). In den ersten Tagen nach der Entbindung geht das Kolostrum schrittweise in die reife Muttermilch über.
Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt, beim Menschen nicht von „Vormilch“ zu sprechen, sondern von „erster Milch“ oder „Neugeborenenmilch“. Der Grund: „Vormilch“ könnte nach einer minderwertigen Milch klingen, obwohl das Gegenteil der Fall ist.
Viele Suchanfragen zu „Kolostrum“ drehen sich ums Stillen, etwa um das Sammeln von Kolostrum vor der Geburt. Diese Fragen gehören zu Hebammen, Stillberaterinnen sowie Ärztinnen und Ärzten. Mit Nahrungsergänzungsmitteln aus Rinder-Colostrum hat das menschliche Kolostrum vor allem den Namen gemeinsam.
Biestmilch beim Rind: Gewinnung und Verwendung
Für das Kalb ist die Biestmilch lebenswichtig. Anders als beim Menschen gelangen beim Rind vor der Geburt keine Antikörper über die Plazenta zum Nachwuchs. Das Kalb kommt nahezu ohne Antikörper im Blut zur Welt und nimmt die Abwehrstoffe der Mutter über die Biestmilch auf. Seine Darmschleimhaut lässt diese großen Eiweißmoleküle nur in den ersten rund 24 Lebensstunden durch, und die Durchlässigkeit nimmt von Stunde zu Stunde ab. Die Landwirtschaftskammer Salzburg nennt deshalb als Richtwert, mit der ersten Biestmilch nicht länger als vier Stunden nach der Geburt zu warten.
Im Vergleich zur späteren Milch enthält Biestmilch deutlich mehr Eiweiß und Immunglobuline, vor allem Immunglobulin G (IgG), und weniger Milchzucker. Der IgG-Gehalt sinkt schon am zweiten bis dritten Tag nach dem Kalben stark ab. Fachleute zählen Rinder-Colostrum daher meist nur bis etwa zum dritten Tag.
Wichtig für die Einordnung: Zuerst wird das Kalb versorgt. Für Nahrungsergänzungsmittel wird Biestmilch verwendet, die über den Bedarf des Kalbes hinausgeht. Viele Betriebe frieren außerdem einen Vorrat an hochwertiger Biestmilch ein – für Kälber, deren Mutter nicht genug oder keine geeignete Biestmilch gibt.
Vom Hof zum Pulver: Verarbeitung
Damit aus Biestmilch ein Nahrungsergänzungsmittel wird, durchläuft sie mehrere Schritte. Eine Übersichtsarbeit zu Rinder-Colostrum beschreibt den typischen Weg so:
- Sammeln und Einfrieren: Die Biestmilch wird auf den einzelnen Höfen gesammelt und eingefroren.
- Transport: Sie gelangt gefroren zu einem zentralen Verarbeitungsbetrieb.
- Pasteurisieren: Eine Wärmebehandlung verringert die Keimzahl.
- Entfetten oder Laktose entfernen: Je nach Produkt wird ein Teil des Fetts oder des Milchzuckers abgetrennt; dieser Schritt ist optional.
- Trocknen: Sprüh- oder Gefriertrocknung macht daraus ein Pulver.
- Weiterverarbeiten: Das Pulver wird pur verkauft oder zu Kapseln, Portionsbeuteln oder Tabletten verarbeitet.
Für die Gewinnung gelten in der EU eigene Hygieneregeln. Kolostrum muss zum Beispiel von gesunden Tieren aus Beständen stammen, die frei von bestimmten Tierseuchen sind. In der Begründung der Verordnung heißt es, Kolostrum werde ähnlich hergestellt wie Rohmilch und sei mit einem ähnlichen Risiko für die menschliche Gesundheit behaftet.
Als wichtigstes Qualitätsmerkmal gilt der IgG-Gehalt. Bei frischer Biestmilch werden Werte über 50 Gramm IgG pro Liter allgemein als akzeptabel angesehen. Wie viel davon im fertigen Produkt ankommt, hängt vom Zeitpunkt des Melkens und von der Verarbeitung ab. Worauf Sie beim Kauf achten können, lesen Sie im Ratgeber Colostrum kaufen: Qualität erkennen.
Kann man Biestmilch trinken?
Frische Biestmilch direkt vom Hof ist ein Rohprodukt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Rohmilch mit krankmachenden Keimen wie Salmonellen, Campylobacter oder EHEC belastet sein kann; die meisten gelangen durch Hygienemängel beim Melken hinein. Rohmilch sollte deshalb generell nicht ohne Erhitzen verzehrt werden. Für Kolostrum geht der EU-Gesetzgeber von einem ähnlichen Risiko aus.
Regional wurde Biestmilch traditionell auch in der Küche verwendet, etwa für Brot oder Käse. Wer rohe Biestmilch bekommt, sollte sie nur durcherhitzt verwenden. Kinder, Schwangere sowie ältere oder kranke Menschen sollten auf unerhitzte Rohmilch ganz verzichten.
Kuh, Ziege, Schaf: Unterschiede
Nicht nur Kühe, auch Ziegen und Schafe bilden Kolostrum. Bei allen drei Arten kommen die Jungtiere nahezu ohne Antikörper zur Welt und sind auf die Erstmilch angewiesen; entsprechend überwiegt in ihrem Kolostrum das Immunglobulin G. Beim Menschen ist es anders: Hier gelangt IgG schon vor der Geburt über die Plazenta zum Kind, und im Kolostrum überwiegt IgA.
Rinder-Colostrum ist am besten untersucht und am breitesten erhältlich. Ziegen- und Schafkolostrum sind am Markt Nischenprodukte; die Forschung zu Ziegenkolostrum befasst sich überwiegend mit der Aufzucht der Zicklein. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Artikel Kuh- oder Ziegenkolostrum: Unterschiede im Überblick.
Colostrum Kautabletten von VITALARO
Unsere Colostrum Kautabletten enthalten Colostrumpulver vom Rind sowie Vitamine und Selen und werden in der Schweiz hergestellt. Für einige der enthaltenen Nährstoffe gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Angaben:
- Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin B6 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Folat trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Verzehrempfehlung: täglich 1–2 Kautabletten zerkauen. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Enthält Milch und Soja – nicht geeignet bei Milcheiweiß- oder Sojaallergie.
Häufige Fragen
Ist Biestmilch dasselbe wie Colostrum?
Im Wesentlichen ja. Biestmilch ist der traditionelle deutsche Name für die erste Milch der Kuh nach dem Kalben. Colostrum oder Kolostrum ist der Fachbegriff für die erste Milch aller Säugetiere, auch des Menschen. Steht auf einem Nahrungsergänzungsmittel „Colostrum“ ohne weitere Angabe, ist meist Colostrum vom Rind gemeint.
Wie lange gibt eine Kuh Biestmilch?
Das EU-Lebensmittelrecht spricht von bis zu drei bis fünf Tagen nach der Geburt. Die Zusammensetzung ändert sich aber schon früher deutlich: Der Gehalt an Immunglobulin G sinkt ab dem zweiten bis dritten Tag stark. In der Fachliteratur gilt Rinder-Colostrum deshalb meist nur bis etwa zum dritten Tag als Colostrum im engeren Sinn.
Kann man Biestmilch trinken?
Rohe Biestmilch sollten Sie wie Rohmilch nicht unerhitzt verzehren, weil sie Krankheitserreger enthalten kann. Getrocknetes Colostrum in Nahrungsergänzungsmitteln ist dagegen ein verarbeitetes Lebensmittel. Hier gelten die Verzehrempfehlung und die Hinweise des Herstellers.
Wo kann man Biestmilch kaufen?
Frische Biestmilch gibt es allenfalls direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben; dann gelten die Hinweise zu Rohmilch. Verbreiteter ist getrocknetes Rinder-Colostrum als Nahrungsergänzungsmittel, etwa als Pulver, Kapseln oder Kautabletten. Achten Sie beim Kauf auf Angaben zu Herkunft, Verarbeitung und Colostrum-Menge pro Tagesportion.
Weiterlesen: Wer Colostrum verträgt und wer besser verzichtet, erklärt der Artikel Colostrum: Nebenwirkungen und Verträglichkeit.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1662/2006 der Kommission vom 6. November 2006 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 853/2004 mit spezifischen Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs. Amtsblatt der EU L 320 vom 18.11.2006
- Netzwerk Gesund ins Leben: Warum ist die erste Milch, das Kolostrum, so besonders?
- familienplanung.de: Lexikon: Vormilch
- Hechenberger N, Landwirtschaftskammer Salzburg: Biestmilch für das Kalb: Qualität vor Quantität, 1. Oktober 2020
- Playford RJ, Weiser MJ: Bovine Colostrum: Its Constituents and Uses. Nutrients 2021;13(1):265
- Hurley WL, Theil PK: Perspectives on Immunoglobulins in Colostrum and Milk. Nutrients 2011;3(4):442–474
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Infektionen vermeiden – Was ist beim Verzehr von Rohmilch zu beachten?, 6. September 2024
- Wikipedia: Kolostrum, abgerufen am 10. Oktober 2026